Res Hafner

Krieg und Frieden ungekürzt

Der Text zum Anlass der Ausstellung "Krieg und Frieden" der Kirche Grafenried, 29. Juni - 4. August 2024. Eine gekürzte Version wurde auf ein Tuch gedruckt neben 65 anderen Exponaten ausgestellt.

 

Hämpu, alter Kämpfer!

Weisst du noch - in der RS? Du warst eine richtige Kampfsau. Keine Kampfbahn war dir schtrub genug, kein Manöver zu hart. Und die Waffen waren deine "Bräute". Tja, wir waren jung und ungestüm.

Wir haben beide weitergemacht, du sogar bis zu den Nudeln am Hut. Als Küchenchef war ich gut aufgehoben. Meistens im Warmen und Trockenen. Als ich angefangen habe, die Narrative aus Ost und West, von rechts und links zum Kalten Krieg kritisch zu hinterfragen, fühlte ich mich hinter den Kochkesseln in Sicherheit.

Im Laufe eines Kadervorkurses (während der 80ger Jugendunruhen in Bern) wurden alle Küchenchefs des Regiments zu einer Weiterbildung aufgeboten. Dort, an der KüChe-Schule, wurde uns aber nicht wie üblich bei solchen Anlässen ein neues Rezept oder eine neue Konserve vorgestellt - nein, wir übten in Kampfmontur Nahkampf, den Einsatz von Tränengas und das Bauen von Stacheldrahtbarrikaden! Wir Küchenchefs! War das eine Vorbereitung auf einen Einsatz bei Demos? Für mich war fertig lustig! Mit Hilfe eines Feldpredigers konnte ich den Dienst frühzeitig quittieren.

Es freut mich, dass wir trotzdem Freunde geblieben sind!

 

Liebe Tante Lydia

Das Alte Testament ist nicht deine liebste Lektüre. Kriege, Gräuel und Grausamkeiten, die auch in der Bibel erzählt werden, lassen dich fassungslos zurück. Du kennst aber die Stellen im NT besonders gut, die wegweisend sind für den Frieden auf Erden.

Einige unserer Verwandten haben dich zu deinen Lebzeiten belächelt - die naive, fromme alte Jumpfer! Aber einen friedliebenderen Menschen als dich kann ich mir nicht vorstellen. Deine Haltung - Fassungslosigkeit gegenüber Gräueln, dein Glaube an Frieden und das Vertrauen in die Liebe Gottes - was ist daran falsch und lächerlich?

 

Liebe Helena

"Die Banalität des Bösen", den Begriff deiner Lieblingsphilosophin Hannah Arendt aus deren Buch über den Eichmannprozess, zitierst du häufig und stellst ihn gerne in neue Zusammenhänge. Im anonymen Strudel der Algorithmen, sagst du, verbreiten Leute, die im analogen Leben unauffällig und angepasst sind, Bösartigkeiten, Hasstiraden, Lügen, Drohungen und gröbste Gemeinheiten. Krisen und Kriege treiben das Ganze an, Echokammern überfüllt mit banalen Schwarzweissmalereien diktieren zunehmend die Politik. Davon bist du überzeugt.

Olga möchte unbedingt ein Smartphone. Du fürchtest, dass deine Tochter so der neuen „Banalität des Bösen" ausgesetzt würde. Davor möchtest du sie schützen.

Du fragst, wie zeitgemässe Medienerziehung gelingen könnte...

 

Liebe Olga

Du hast zum 10. Geburtstag ein Handy bekommen. Danke für deine Nachricht! Als du klein warst, hast du mal Gott als alten Mann auf einer Wolke hockend gemalt. Helena, deine Mutter, glaubt nicht an Gott und hat gelächelt. Du wolltest unbedingt mit deinen Freundinnen ins KUW und hast das durchgesetzt bei Helena. Ich gratuliere dir dazu, und natürlich auch zum Geburtstag! In der Kirche brenne immer ein Friedenslicht hast du erzählt.

Deine Zeichnung vom Krieg - woher kennst du diese Bilder? Aus der Zeitung? Vom Fernseher? Von deiner Schulfreundin aus der Ukraine?

Das Friedenslicht hast du auf die Rückseite gemalt - oder ist es die Vorderseite?

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